Das Kuttelbad erlebt abwechslungsreiche Tage. Die Pächter drücken sich beinahe im Jahrestakt die Türklinke in die Hand. Gibt es wieder Beständigkeit in der Waldlichtung oberhalb der Kurzenei?

Bericht der Berner Zeitung

Jacqueline Feldkircher ist umgezogen. Nun ist das Restaurant Kuttelbad vorläufig geschlossen. Ein nahtloser Übergang mit einem neuen Wirt war laut der Burgergemeinde nicht möglich. Es tut sich aber etwas.

Nein, gleich um die Ecke ist das Restaurant Kuttelbad nicht. Ganz im Gegenteil: Ob Wasen liegt es auf über 1000 Metern über Meer umringt von einem Kreis aus Wald: etwa dort, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen.

Wer hier oben wirtet, muss starke Nerven haben, die Abgeschiedenheit mögen und auch damit umgehen können, dass das Wetter hier das Sagen hat. Das Ausflugsziel ist zwar überlebensfähig. Die Kasse aber ist stets knapp. Die Frühlings- und Sommersaison müssen den Winter quasi querfinanzieren, braucht man bei Schnee doch mindestens einen Vierradantrieb, um hier heraufzukommen. Nicht wenige Pächter kamen deshalb über kurz oder lang in finanzielle Nöte.

Zahlreiche Pächterwechsel

Die letzten dreieinhalb Jahre lang hat die 49-jährige Jacqueline Feldkircher das Kuttelbad geführt, bis sie sich vergangenen Herbst entschied, weiterzuziehen. Auch sie sagte damals dieser Zeitung: «In meinem Alter will man nicht mehr nur von der Hand in den Mund leben.»

Letztes Wochenende war es so weit. Feldkircher hat ihre Sachen gepackt und ist nach Huebbach in der Gemeinde Dürrenroth gezügelt. Auch etwas ab vom Bitz, so wie sie es mag.

Das Kuttelbad steht nun also leer. Der Gasthof ist im Besitz der Burgergemeinde Sumiswald. Ein nahtloser Übergang war laut Präsident Michael Oberli nicht möglich. «Wir befinden uns aber in einer intensiven Phase», sagt er. Es habe einige Interessenten und Besichtigungen gegeben. Unter Dach und Fach sei aber noch nichts.

Das Kuttelbad hat nicht nur eine über 200-jährige Geschichte. Es hat auch überdurchschnittlich viele Pächter gehabt. Die 1805 ins Leben gerufene sogenannte Badwirtschaft wurde 1949 von der Burgergemeinde Sumiswald gekauft. Während zweier Generationen führte die Familie Geissbühler als Pächter den Bauernbetrieb inklusive Restaurant. Später machte das Wirtepaar Pia Jaeger und Kurt Tschannen mit Freilichttheateraufführungen das Kuttelbad weitherum bekannt. Danach durchlebte es unruhige Zeiten. Ab 2005 bis heute gab es vier Pächterwechsel.

Als Nebenerwerb möglich

Der Burgerrat sei sich der Herausforderung für einen Wirt oder eine Wirtin bewusst, eine Beiz in der Abgeschiedenheit zu führen, sagt Michael Oberli. Man wolle aber an dem Gastrobetrieb festhalten. Investitionen in einen Umbau seien jedenfalls keine vorgesehen. Sie wollten einem künftigen Wirt aber mit den Öffnungszeiten entgegenkommen. «Von uns aus soll es möglich sein, den Betrieb als Nebenerwerb zu führen», sagt Oberli. Wichtig sei aber, dass der künftige Pächter auch im Kuttelbad wohne oder zumindest die Wirtewohnung auch nutze.

Abgesehen davon wollen sich die Burgerräte aber nicht einmischen. «Wir sind keine Eventmanager», sagt Oberli. «Wir überlassen das den künftigen Mietern, wie sie die Leute anlocken wollen.» Kulturelle Anlässe wie Theater oder Konzerte für Einheimische und Leute aus der Region hätten laut Oberli wohl gute Erfolgschancen. «Sofern es etwas ist, das die Leute auch verstehen.» (Quelle: Berner Zeitung vom 26. April 2018)