Vor genau 100 Jahren – im Jahr 1916 wurde die Musikgesellschaft Wasen gegründet. Die Berner Zeitung schreibt 100 Jahre später über das Jubiläum.

Bericht Berner Zeitung BZ

Die Musikgesellschaft Wasen feiert ihr 100-jähriges Bestehen mit einem Fest und dem Emmentalischen Musiktag. Den Mitgliedern war das Beisammensein schon immer ein Anliegen, auch wenn sie dafür Mist auf einem Feld ausführen mussten.

Jupe oder Hose? Mit dieser wichtigen Frage mussten sich die Mitglieder der Musikgesellschaft Wasen 1967 auseinandersetzen. Die erste Teilnahme an einem Eidgenössischen Musikfest stand an, und die Wase-Musig gehörte zu den wenigen Vereinen, die bereits eine Frau in ihren Reihen hatte. «Man entschied sich für ein knielanges Jupe», erinnert sich Heinz Pfister, der über 30 Jahre lang Mitglied war; davon 8 Jahre als Präsident.

Pfister hat noch etliche andere Anekdoten auf Lager. In stundenlanger Arbeit hat er die Vereinsgeschichte der Musikgesellschaft aufgearbeitet. Als Grundlage dienten Kassenbelege, Festführer, Konzertprogramme und Zeitungsausschnitte. «Denn bis ins Jahr 1983 fehlen sämtliche Protokollbücher», sagt Pfister, der den Aufwand nicht grundlos betrieben hat. Er hält heute Freitagabend, anlässlich des Jubiläumsfestes der Musikgesellschaft, einen Rückblick auf die 100-jährige Vereinsgeschichte.

Ein Loch in der Kasse

20 Jahre nach der Gründung durften die Musikanten erstmals in einer Uniform auftreten. 5 Jahre später wurde die erste Fahne gekauft. «Wahrscheinlich wurde durch diese Anschaffung die Vereinskasse stark in Mitleidenschaft gezogen, sodass Bussen eingeführt wurden», mutmasst Pfister. Unentschuldigtes Fehlen kostete 50 Rappen, zu spätes Erscheinen 20 Rappen. Weitere Einnahmen wurden aus «Hoschtetfesten», Waldfesten, Zwirbele, Konzerten und Theatern generiert. Heute seien es Platzkonzert mit Risottoessen, Lotto und Bewirten des Weihnachtsmärit sowie das Jahreskonzert – allerdings ohne Theater – aus denen die nötigen Einnahmen kämen, sagt Pfister.

Wann immer möglich nahmen die Musikanten an den Emmentalischen Musiktagen und an kantonalen und Eidgenössischen Musikfesten teil. Dabei überzeugten sie die Jury mit ihrem Können, und dementsprechend fiel die Bewertung meist sehr gut aus. Gerne schlüpften die Mitglieder auch schon früher in die Gastgeberrolle, wie 1971. Damals heimsten sie beim Mittagessen eine schlechte Note ein. «Die vorgekochte Rindszunge an Kapernsauce wurde über Nacht in den Kochkisten mehr oder weniger sauer.» Eine solche Panne soll am Wochenende am Emmentalischen Musiktag nicht passieren.

Ab aufs Feld

Ein Meilenstein in der Geschichte der Musikgesellschaft war 1974 die Gründung der Jugendmusik. 7 Jahre später wurde anlässlich eines grossen Festes die Fahne der Jugendmusik wie auch eine neue Fahne der Musikgesellschaft entrollt. «Um den Anlass durchführen zu können, musste zuerst mit dem Grundstückbesitzer gefeilscht werden», sagt Pfister. So mussten sich die Mitglieder der Musikgesellschaft vertraglich verpflichten, nach dem Fest Mist auf dem Grundstück auszufahren.

Wie viele Musikanten zur Feldarbeit angetreten sind, wurde nicht erfasst. «Im Schnitt zählte der Verein zwischen 30 und 40 Mitglieder», sagt Heinz Pfister. Aktuell sind es sogar 44. Erfreulicherweise hat es auch viele Jugendliche darunter. «Die Jungen motivieren einander zum Mitmachen.»Das sei heute in der Wase-Musig viel ausgeprägter als zu seiner Zeit. (Quelle. Berner Zeitung BZ vom 27. Mai 2016)