Noch heute lesenswert, jung und frisch. Der Dorfspiegel wird nicht nur im Wasen, sondern auch im Ausland gelesen. Heimweh-Wäseler verzichten ungern auf das Informationsblatt vom Dorfverein.

Beitrag von der Berner Zeitung BZ

Der «Dorfspiegel» wird 50 Die Dorfzeitung von Wasen feiert den 50. Geburtstag. Ein Blick in die erste Ausgabe von 1969 zeigt: Eigentlich rechnete man nur mit Problemen.

Sie waren schon immer etwas anders. Zwar gehören die Einwohner von Wasen zur Gemeinde Sumiswald, Sumiswalder sind sie deswegen aber nicht wirklich. Viel Glück jenem, der einen Wäseler als Sumiswalder bezeichnet. Wie gesagt, die Menschen in diesem Dorf sind etwas anders als weiter vorne.

Und so hat Wasen logischerweise auch seinen eigenen Ortsverein. Dieser gründete im Herbst 1969 eine Dorfzeitung, den «Dorfspiegel». Kürzlich wurde die 200. Ausgabe verschickt – und darin der 50. Geburtstag gefeiert.

Der Gründung ging ein ziemliches Hin und Her voraus, wie der ersten Ausgabe zu entnehmen ist. Dort steht: «Alle schreckten vor der Arbeit zurück – und Arbeit haben wir alle genug.» Wer würde gerne freiwillig und unbezahlt Freizeit opfern, um dann wahrscheinlich nur Undank zu ernten? Denn es würden sich eine ganze Reihe Probleme stellen, waren sich die Schreiberlinge sicher: «Finanzielle Probleme? Ganz sicher. Ärger? So sicher wie nur etwas. Menschlichallzumenschliche Probleme? Bestimmt zu erwarten.

Trotz allem versuchte es der Ortsverein mit der Dorfzeitung. Es sollte aber weder ein «tierisch-ernst-zu-nehmendes Produkt kompromisskranker Politiker» noch ein hochoffizielles Publikationsorgan werden. Nein, viel lieber wollten die Wäseler ein Sprachrohr für die Dorfbevölkerung schaffen. Die Artikel darin durften gepfeffert, jedoch nicht beleidigend sein. «Wir wollen keinen Streit, aber auch keinen faulen Frieden», lautete die Devise in der Pilotausgabe.

Wer bessere Ideen habe, solle bitte vortreten.

Während die neuste Ausgabe 16 Seiten umfasst, war der erste «Dorfspiegel» nur 4 Seiten dick. Dennoch fanden die Berichte der wichtigsten Vereine in der Postille Platz. Etwa, wie die Hornusser an der emmentalischen Meisterschaft das vierte Spiel abbrechen mussten, weil der Gegner eine Regelwidrigkeit beging. Oder wie am Gemeindehornusset die A-Mannschaft – wohl wenig überraschend – das Wanderhorn gewann. Ausserdem konnte man nachlesen, wie die Trachtengruppe am Jahrestreffen eine Szene aus der «Schwarzen Spinne» nachstellte und sich nach dem Abendessen mit einer Polonaise aus der Gastwirtschaft verabschiedete.

Auch die üblichen Vorschauen auf Konzerte und Theater durften nicht fehlen. Der Handharmonika-Spielring etwa wurde durch das Trio Butterfly unterstützt, bei dem Schlagerstar Uschi aus Bern mittat.

Die junge Spinne

All das findet sich auch heute noch in den Ausgaben des «Dorfspiegel». Genauso wie die Nachrufe. Wobei diese früher etwas ausführlicher ausfielen. So wird in der ersten Ausgabe unter dem Titel «Totentafel» von einem Mann erzählt, der mehrere Herzanfälle erlitt, sich aber auf dem Weg der Besserung befand und etwa zur selben Zeit zum 17. Mal das Jagdpatent löste. Auf dem Heimweg von einer Arztvisite verunfallte er aber mit seinem Fahrrad und starb noch an der Unfallstelle.

Seit 50 Jahren berichtet der kleine Ortsteil der Gemeinde Sumiswald also über die Geschehnisse im Dorf. Zum Vergleich: Die Muttergemeinde Sumiswald bringt ihr offizielles Infoblatt «Di Schwarzi Spinnele» erst seit 2007 heraus. Und apropos Sumiswald: Auf der Gemeindeverwaltung Sumiswald bekommen sie den «Dorfspiegel» nicht. (Quelle: Berner Zeitung BZ, 09. März 2020)