Er kommt ursprünglich aus dem bündnerischen Sedrun. Der Skilift, welcher im Februar 1996 oberhalb vom Wasen in Betrieb genommen wird. Die Zeitung „Der Bund“ schreibt ausführlich über den neuen Skilift auf rund 870 Meter über Meer. Andreas Schütz ist der erste Präsident des Skiliftvereines Wasen.

Während die meisten Skiliftbetreiber in den Voralpen jammern, hat der Skiliftverein von Wasen im Emmental – auf 870 Metern über Meer . . . – einen neuen Lift gebaut. Eine Spinnerei – oder am Ende gar ein Gemeinschaftswerk mit Zukunft?

Der Präsident strahlt mit der schon ein wenig frühlingshaften Sonne um die Wette: Im Gehöft «Ober Wyden» oberhalb von Wasen im Emmental, wo der neue Skilift installiert wurde, liegen rund 40 Zentimeter Schnee, in der improvisierten Festwirtschaft zwischen den Bauernhäusern spielt ein Trio volkstümliche Weisen, und am Lift steht, wie es scheint, das ganze Tal Schlange. «Heute», freut sich Andreas Schütz, «schwebe ich einfach auf einer Wolke.»

Begonnen hatte das Skiliftabenteuer allerdings weit weniger strahlend. Nachdem man die neue Anlage am 30. Dezember in Betrieb genommen hatte, begann es zu regnen – und schon zwei Tage später, am 1. Januar, war an Skifahren nicht mehr zu denken: Für anderthalb Monate bestand der Skihang aus braun-grünen Matten. Erst vor 10 Tagen hatte Petrus ein Einsehen und schickte genügend Schnee, um den Lift wieder in Betrieb nehmen zu können.

Angesichts der zahlreichen schneearmen Winter der letzten Jahre, die viele Skiliftbetreiber in den Voralpen und im Emmental an den Rand des Ruins getrieben hatten, bezeichneten viele den neuen Lift als «Spinnerei», gesteht Schütz selber ein. Zumindest als «schon ziemlich mutig» empfindet beispielsweise Paul Gasser, Präsident des Skilifts Schindelberg in Linden, das Projekt. Auf dieser Höhe, weiss Gasser aus eigener Erfahrung, gebe es ganz einfach keine Schneesicherheit. Die Folge: Letztes Jahr konnte am Schindelberg nur während 22 Tagen gefahren werden, in den beiden vorhergehenden Saisons standen die Lifte still. Versicherungen und Kontrollen würden aber trotzdem Geld verschlingen. «Wenn wir nicht in den guten Jahren Geld auf die Seite gelegt hätten, müssten wir über die Bücher», meint Gasser. Immer haarscharf vor dem Aus steht seit Jahren die Skilift Netschbühl AG in Eggiwil. «Wenn es jetzt nicht doch noch geschneit hätte, dann hätten wir den Lift im Frühling wohl stillegen müssen», sagt Präsident Samuel Hirsbrunner. Dieses Jahr laufe es zwar nicht schlecht, und letztes Jahr habe man neben verschiedenen Renovationsarbeiten sogar etwas von der Schuld abzahlen können, aber – «ehrlich gesagt» – sei der Lift ein Problem. «Als ich vom Skiliftbau in Wasen hörte, sagte ich mir: ,Das hätte ich jetzt nicht gemacht.’»

Andreas Schütz zeigt sich von den schlechten Erfahrungen der anderen nicht sonderlich beeindruckt. Für den Skiliftverein Wasen sei zum vornherein festgestanden, dass man sich nicht in ein finanzielles Abenteuer habe stürzen wollen und die Finanzierung des neuen Lifts deshalb bereits vor dem Bau gesichert sein müsse. Dieses Ziel wurde fast erreicht: Von den Gesamtkosten von 200 000 Franken sind gut 160 000 bezahlt. 90 000 Franken sind an Spenden eingegangen, 30 000 Franken haben 60 Handwerker und Baufirmen der Region in Form von Gratisarbeit geleistet, weitere 30 000 Franken konnten durch über 1000 Stunden Fronarbeit der Vereinsmitglieder eingespart werden, 15 000 Franken betrug der Gemeindebeitrag.

Schütz ist überzeugt, dass die fehlenden knapp 40 000 Franken auch noch aufgebracht werden: durch weitere Mitgliederbeiträge sowie durch Einnahmen aus dem Skiliftbetrieb. Das Gemeinschaftswerk Skilift Wasen stehe somit schuldenfrei da; zur Deckung der Fixkosten von rund 2500 bis 3000 Franken pro Jahr aus Unterhalt, Versicherung und Kontrollen seien nur noch wenige Betriebstage erforderlich. «Ich bin jedenfalls zuversichtlich», meint Schütz.

Als wär’s im Oberland: der neue Skilift in Wasen im – für einmal – tiefverschneiten Emmental. (Bild: Max Füri)Skigebiet Wasen

dsb. Der neue Lift in Wasen i. E. hat eine Länge von 400 Metern und überwindet eine Höhendifferenz von 80 Metern; der Tellerlilift hat eine Förderleistung von 500 Personen pro Stunde. Es handelt sich um einen ehemaligen Bügellift aus Sedrun, der günstig gekauft werden konnte.

Er ersetzt den alten «Bödeli»-Lift aus den sechziger Jahren, der für mehrere zehntausend Franken hätte saniert werden müssen und der im Herbst vom Zivilschutz abgebrochen wurde. Zusammen mit dem bestehenden alten Schlepplift ergibt sich in «Ober Wyden» ein kleines Skigebiet vor allem für Familien. (Quelle: Der Bund, 26. Februar 1996)