Am Samstag nachmittags gegen 6 Uhr ging über Eriswyl und Umgebung ein heftiges Hagelwetter nieder und richtete bedeutenden Schaden an. Das gleiche Gewitter zog auch über die Gegend von Wasen. Auf der Alp Vorderarni, im Besitz der Anstalt Thorberg, wurde ein Sträfling vom Blitz getroffen, doch nicht lebensgefährlich verletzt. Der unter der Haustüre stehender Arbeiter wurde von einem Blitzstrahl getroffen und bewußtlos zu Boden geschleudert. Seine Kleider brannten im Nu lichterloh und nur rasch herbeigeeilter Hilfe ist es zu verdanken, daß der Unglückliche nicht elendiglich verbrannte. Den ärztlichen Bemühungen gelang es, den Bewußtlosen wieder zum Leben zurückzurufen. Immerhin hat derselbe schwere Verletzungen, namentlich Brandwunden erlitten.

Ein merkwürdiges Zusammentreffen ist es, daß hier fast unmittelbar nacheinander zwei hochangesehene Lehrkräfte unerwartet vom Tode dahingerafft wurden, welche beide je 32 volle Jahre in der Gemeinde segensreich gewirkt haben. Mitte voriger Woche starb in Bern, wo er sich einer Magenopperation unterziehen wollte, der vielverdiente, seit 1877 amtierende Herr Sekundarlehrer Joseph Mühlemann, körperlich ein Riese, von goldlauterem Charakter und als Jugenderzieher ein wahrhaft seltener Idealist. 64 Jahre waren dem braven Manne, an dessem frischem Grabe 9 Kinder trauern, zu leben beschicken. Kaum hatte sich über ihm die Gruft geschlossen, so durcheilte die Schmerzenskunde das Dorf, daß auch Fräulein Elise Lobsiger, ebenfalls seit 1877 Lehrerin an der Primarschule Wasen und nicht minder beliebt und geachtet, im Alter von 52 Jahren ihrem Kollegen im Tode nachgefolgt ist. Das sind zwei schwere, durch ihr merkwürdiges zusammentreffen besonders tragische Verluste für die Gemeinde Wasen, und mit der Schule trauert den» auch die ganze Bevölkerung um die so jäh ihrem schönen Wirkungskreis entrissenen.

Quelle: Täglicher Anzeiger für Thun und das Berner Oberland