Der Wasen kriegt Strom. Dies sogar durch ein eigenes Elektrizitätswerk von Eduard Steimer. Dieser nutzt die Wasserkraft der Grüne und des Hornbachs beim neuen Elektrizitätswerk (Inbetriebnahme 1910) bei der Süllenbachbrücke. (Bildquelle: Staatsarchiv Bern).

Medienberichte zeigen aber, dass Strom bereits vorher im Wasen genutzt wurde. So schreibt das „Intelligenzblatt der Stadt Bern“ im Mai 1903.

In Wasen hat ein schlichter Landwirt sich ein Hochmodernes elektrisches Weil einrichten lassen, durch welches er Haus  Stall und Scheune reichlich beleuchtet und sämtliche Maschinen wie Dresche und Futterschneidmaschinen, Fräse u.s.w. sowie sogar noch eine eigene elektrische Feuerspitz, sofern diese je in Aktion treten sollte, betreiben läßt.

Das Buch aus Sumiswald schreibt dazu

1905: Im Gegensatz zu den Initiaten in Grünen, realisiert Eduard Steimer, Pflug- und Maschinenschmied, sein Projekt zur Stromversorgung des Dorfes Wasen. Eine Francisspiralturbine nutzt das Wasser des Hornbachs auf einer Länge von 400 Metern. Der Einlauf des Kraftwerkkanals befindet sich hinter dem Friedhof und führt oberhalb des heutigen MEWAG Gebäudes zum Wasserschloss. Das Wasser fliesst durch eine Gussleitung, die Turbine liefert 5 – 20 kW Hornbachstrom. Zur Überbrückung von Trockenperioden installiert Steimer zusätzlich einen Dieselgenerator.

Auch in der Oberei betreibt er ein Kraftwerk mit Wasser aus der Grüne mit einer Leistung von 45 PS. Das Steimernetz wird zügig ausgebaut, so dass man im Wasen fast gleichzeitig mit Sumiswald bei elektrischem Licht die Schlagzeilen zum Eisenbahnstreit zwischen Sumiswald und Grünen lesen kann.

1917 wird das Steimer-Netz von der Gemeinde übernommen, integriert und ab 1918 umgebaut. Unbekannt ist, wann die Stromturbine beim Friedhof und jene in der Oberei vom Netz gingen.

Beitrag der Berner Zeitung vom 07. Januar 2020

Mit der Nutzbarmachung des elektrischen Stroms begann die Entwicklung unseres Jahrhunderts, und das ist noch gar nicht so lange her. Das ehemalige Wasserkraftwerk in der Oberei ist ein Zeitzeuge.

Wasen, das Dorf zuhinterst im Tal der Grünen, war seit jeher offen für den Fortschritt. Während Sumiswald 1900 eine «Licht-Kommission» zur Beschaffung elektrischer Energie einsetzte, die 1904 den Anschluss ans Kander- und Hagneckwerk (später BKW) feierte, ging Wasen eigene Wege. So steht es in der Sumiswalder Dorfchronik zu lesen. Der Fabrikant Eduard Steimer errichtete an Hornbach und Grünen Kleinwasserkraftwerke und erzeugte damit eigenen Strom für seine Pflug- und Maschinenschmiede, wie auch für den ganzen Ort. Fast gleichzeitig mit der «grossen Schwester» Sumiswald gingen in Wasen die Lichter an.

Auf Spurensuche

Das Haus steht an der Strasse gegenüber der Bushaltestelle Oberei. Hier wohnt seit 33 Jahren der Sekundarlehrer Bernhard Mändli. Mit seiner Pensionierung begann er, sich mit der geschichtsträchtigen Vergangenheit seines Hauses zu beschäftigen, sammelte Pläne und alte Aufnahmen des ehemaligen Wasserkraftwerks. Denn das war sein Heim ursprünglich, auch wenn er beim Einzug damals wenig Spuren davon mehr fand. Nur: «Eine riesige, eiserne Röhre lag hinter dem Haus, und das Wohnzimmer, als ehemaliger Maschinenraum, war unnatürlich hoch», erinnert er sich. Die Wohnung des Werk-Aufsehers lag einst im Obergeschoss. Auch gab es statt eines Kellers im Untergeschoss ein drei Meter tiefes Verlies. Aus der tonnenschweren Röhre machte Mändli eine grüne Insel in seinem Teich, und die Stube bekam eine künstliche Decke. Natürlich rauscht nach wie vor der Bach vor der Haustür vorbei, die Grünen. Weil die Grünen wenig Gefälle aufweist, hatte man im rückwärtigen Hang Rückhaltebecken errichtet. Von hier schoss das Wasser mit Druck in die tieferliegenden Turbinen. 45 PS oder 33 kWh erzeugte der damalige Generator, später wurde die Leistung erhöht. Es funktionierte, jedenfalls meistens.

Aber statt Dank und Anerkennung erntete der Betreiber gehässige Briefe und Reklamationen, wegen Stromschwankungen und Netzpannen. Auch von Vandalismus wurde er nicht verschont. Immerhin schaute, laut Sumiswalder Chronik, ein Reingewinn heraus. «Ursprünglich zahlte man einen Tarif pro Lampe im Haus» weiss Mändli.

1913 wurden die Kohlefadenlampen mit Metallfäden ausgerüstet, und 1917 übernahm die Gemeinde das Steimer-Netz. Der Strombedarf stieg stetig, 1924 baute man das Netz auf 220/380 Volt um Zum Vergleich: 1905 benötigte die Gemeinde 35 kW an elektrischer Leistung – heute sind es zu Spitzenzeiten bis zu 9000 kW.

Längst wird im Haus kein Strom mehr produziert. Das Grün umwuchert die alten Mauern. «Auf der Wiese besuchen mich Rehe, Fuchs und Hasen», freut sich der Hausherr. Die Natur hat sich den Platz zurückerobert. (Quelle: Berner Zeitung BZ, 07. Januar 2020)