Das Unheil kündigt sich in Form von Gewitter bereits am Abend des 4. Juni an. Die Neue Zürcher Zeitung schreibt Tage danach von 7 Stunden Dauerregen, welche sowohl den Horn- wie den Kurzeneibach über die Ufer treten lässt. Die Kirchgemeinde schreibt heute zur grossen Flut vom Juni 1853, dass Sie durch den Einsturz des damaligen Kurzeneiboden-Schulhauses dessen Heimat beraubt wurde und danach bis zum Neubau der Kirche sozusagen „Heimatlos“ agiert.

Die Flut vom 4./5. Juni 1853 ist das grösste Naturereignis, welches der Wasen überhaupt erlebt. In keiner anderen Quelle ist von einer grosseren Katastrophe zu lesen. Zum guten Glück..

Hier der ganze Zeitungsbericht der NZZ in der Woche nach dem Ereigniss.

„Das Herausquellen der Wasser aus der davon erfüllten Erde, schwellten die Grüne und alle Bäche zu furchtbarer Größe an. Ihre Gewalt entfaltet sich nach 9 Uhr in stockfinsterer Nacht, fraß Schwellen und Ufer, nahm in Wasen Gebäude, namentlich das Schulhaus und zugleich das Lokal für den sonntäglichen Gottesdienst, ebenso die meisten Brücken weg. Ein Erwachsener und ein Kind verlören ihr Leben, eine Menge Häuser drohen den Einsturz. Nicht bloß die Pflanzungen sind in dieser Gegend nun zerstört, sondern fruchtbares Land ist haufenweise weggeschwemmt. Das Unglück ist nicht zu übersehen und die Folgen werden schrecklich sein, eine Menge kleiner Besitzer sind dem Ruin näher gebracht.“

Noch näher geht die NZZ eine Woche später auf das tragische Ereignis ein.

Die Wassernot von Summiswald wird von einem Augenzeugen auf eine wahrhaft erschreckende Weise geschildert. Vom Samstag dem 4. Juni von Abends 5 Uhr an schüttete der Himmel sieben volle Stunden lang seine Wasser stromweise in die beiden Haupttäler der Helferei Wasen. Ganze Felder sind 6 Fuß tief von den Bächen heraus gefressen. Brücken, Häuser und Wiesen sind verschwunden. Von dem großen Schulhaus der armen Gemeinde Wasen, das zugleich zum Betsaal dient, steht nur noch ein Teil des Hinterteils da. Der größte Teil des großen Gebäudes sammt dem Glockenthürmchen und Zeit, sowie der Boden, auf dem es gestanden, ist verschwunden.

Die Turmuhr hatte 11 geschlagen, die Brücke war längst schon fortgetragen, die Fluten des Kurzeneibachs waren zu doppelter Mannshöhe angewachsen, da stürzte mit fürchterlichem Krachen das mächtige Gebäude sammt Orgel und gesamten Mobiliar hinunter in das wild tobende Wassergrab. Von Wehren und Retten war keine Rede, denn die Nacht war stockfinster und niemand sah, wo ein sicherer Standort sich befände, und tobend stürzten auf den Wogen die Bauhölzer kopfüber daher, mit einem Getöse, wie ein Kanonenfeuer in heißer Schlacht! Mehr als einem schien es, das Ende aller Tage sei da! Was dieser sonst so unbedeutende Bach auf seinem 12 Stunden langen Wege alles zerstört hat, mag man sich denken.

Ebenso wütet der Hornbach, der sich bei Wasen mit dem Kurzenei, unter dem Namen Grüne, verbindet. Hätte demselben nicht Sandsteinfels Halt geboten, es wäre um das ganze Dorf geschehen gewesen! Auch da ist die Brücke weg und jenseits zur Linken ein Anbau der Familie des Herrn Steiners Sohn, samt Gärten und Pflanzland weggerissen! Und gleicher Weise lösen sich talwärts an der Eriswilstraße die Schreckensbilder ab. So zwei Stunden weit bis an den Fuß der Vorberge des Napf! Ja, wäre es nur noch bei diesen Verhakungen geblieben! Aber durch den strömenden Regen wurde an hundert Stellen das Erdreich an den Abhängen von der felsigen Unterlage abgelöst und bildet Lauwellen (Schlipfe). Man zählt in einer einzigen Weide an die 40 welche nicht allein sehr viel fruchtbares Land verwüstet, sondern auch Häuser beschädigt haben. Ja, im Kurzeneigraben verschüttete ein Schlipf ein Wohnhaus und begrub ein eilfjähriges Mädchen darin. Wer fliehen konnte, der floh.

Der Berichterstatter schließt seine Schilderung mit den Worten: Es war eine Nacht! und welch Anblick dann, als der Morgen tagte! Das Unglück auf einer Strecke von nahe an 4 Stunden Länge ist unermeßlich! Hunderttausende machen den Schaden nicht gut. Vieles ist unersetzlich! Die Emmeverwüstung von 1846 ist eine Kleinigkeit dagegen! Wer wird helfen? Brüder im ganzen Land, höret auf die Stimme Gottes, und tut Herz und Hand auf! Das sei unser Bundesfeier Krone und Dank!“

(Quelle: Neue Zürcher Zeitung NZZ)

(Bildquelle: Staatsarchiv der Kantons Bern)