Sie geht als Heldin in die Dorfgeschichte ein – Gleichzeitig ist es ein schwarzer Tag für das Dorf. Karin Müller stirbt eine Woche zuvor am 27. Juli 1999 beim Canyoning Unglück am Saxetenbach im Berner Oberland. In den Fluten rettet Sie 3 Menschen vor dem sicheren Tod. Das Dorf trauert. (Quelle: TeleBärn)

Als Guide der ersten der vier Gruppen, die am verhängnisvollen 27. Juli in die Saxetschlucht stiegen, war auch Karin Müller (30) aus Wasen im Emmental dabei. Die fröhliche, beliebte Metzgerstochter hatte erst wenige Monate zuvor die Stelle im elterlichen Geschäft gekündigt und sich zur Canyoning-Führerin ausbilden lassen.

Die Berner Zeitung schreibt dazu.

«Wer in den Gedanken seiner Lieben lebt, ist nicht tot, der ist nur fern. Tot ist nur, wer vergessen wird.» Mit diesen Worten, die auch in der Todesanzeige von Karin Müller (30) gestanden hatten, eröffnete Pfarrer Ulrich Märtin gestern in Wasen die Beerdigung der Heldin vom Saxetbach-Unfall.

Karin Müller war als Führerin mit den Freizeitsportlern zum Canyoning in den Saxetbach gestiegen. Als die Sturzflut kam, konnte sie drei Menschen retten. Dann ertrank sie selbst im reissenden Bach.

Ihr Holzsarg ist unter den vielen Sonnenblumen kaum zu sehen. Sie geben dem traurigen Anlass eine sommerlichbunte Note – und erinnern an den fröhlichen, offenen Charakter der jungen Frau.

Das ganze Dorf nahm Abschied von Karin Müller. Ihr Vater, ihre Mutter, die Geschwister und Grosseltern standen mit Tränen in den Augen am Grab.

Viele Schulkameradinnen und -kameraden, Arbeitskollegen, Freunde und Bekannte kamen zur Beerdigung. Und Leute aus dem Dorf, die Karin gekannt hatten. Auch Georg Hoedle (35), der Geschäftsführer von Adventureworld, und seine ganze Crew gaben ihr die letzte Ehre.

Am Grab brachte der Turnverein von Wasen einen Fahnengruss für sein langjähriges Mitglied dar. Als erster nahm Karins Vater HansAlbrecht Müller Abschied. Ihre Mutter Elisabeth schaute an seiner Seite ins Grab ihrer Tochter. Dann umarmte sie ihren Gatten – traurig, aber liebevoll.

In der Kirche erinnert Pfarrer Ulrich Märtin an Karins hilfsbereite Art. Er betont aber auch, wie sehr sie ihre Arbeit bei Adventureworld geliebt hatte: «Sie wusste um die Gefährlichkeit. Aber sie liebte die Menschen und die Schönheit, die uns die Schöpfung anbietet.»

Dann geht Märtin auf die Worte zu Beginn seiner Predigt ein und versichert: «Sie fehlt uns für immer. Aber vergessen werden wir Karin Müller nie.» (Quelle: Berner Zeitung BZ vom 4. August 1999)